„Ich lade gern mir Gäste ein“. Diesem Motto frönt man besonders gerne zu Silvester. Doch kaum hat man die Gästeliste komplett, stellt sich die Frage: Was setzt man seinen Gästen vor. Wie in allen Lebenslagen weiß auch hier die Operette rat. Deshalb verrate ich Ihnen nun meine absoluten Lieblingsrezepte zum Jahreswechsel: operettig inspiriert und zu 100% vegetarisch.
VORSPEISE
Pastinakensuppe à la „Eva“
In Franz Lehárs selten gespielter Operette „Eva“ dreht sich alles um ein einfaches Arbeitermädchen, das sich in den neuen Fabrikbesitzer verliebt. Und so raffiniert wie Lehár diese Operette komponiert, ist auch das folgende Rezept. Die erdige Pastinake verbunden mit exotischem Ingwer. Ein Geschmackserlebnis der besonderen Art.
http://www.youtube.com/watch?v=BygUOI8TOSE
Man nehme
– Olivenöl
– 1 große Zwiebel
– 1 Porreestange
– 2 Karotten
– 800 Gramm Pastinaken
– 4 Esslöffel frischen, geriebenen Ingwer
– 2 Knoblauchzehen
– abgeriebene Schale einer halben Orange
– ½ Liter Gemüsebrühe (am besten selbstgemacht)
– 225 ml. Orangensaft
– Gewürze, Schnittlauch /Frühlingszwiebeln zum bestreuen
Das Öl bei mittlerer Hitze in einem großen Topf erwärmen. Darin Zwiebel und Porree etwa 5 Minuten andünsten. Ab und zu umrühren.
Karotten, Pastinaken, Ingwer, Knoblauch, Orangenschale und Brühe zugeben. Kurz aufkochen. Bei reduzierter Hitze und geschlossenem Deckel ca. 40 Minuten köcheln. Gelegentlich umrühren.
Suppe etwas abkühlen lassen, dann im Mixer oder mit dem Pürierstab glatt pürieren. Danach den Orangensaft einrühren. Ist die Suppe zu dickflüssig, weiteren Saft oder Brühe zugeben. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.
Bei geringer Hitze etwa 10 Minuten leicht köcheln lassen. Auf vorgewärmte Teller füllen, mit Schnittlauch oder Frühlingszwiebeln garnieren und servieren
ZWISCHENGANG
Scharfe Steinpilzpasta à la „Der süße Kavalier“
In diesem Operettenjuwel von Leo Fall geht es um die Amouren des historisch beglaubigten „Chevalier D’Eon“. Im 18. Jahrhundert war er der Trumpf in Frankreichs diplomatischem Corps. Als erster Crossdresser der Geschichte antichambrierte er als Frau verkleidet bei Katharina der Großen und fädelte politische Bündnisse ein, die Frankreichs Vormachtstellung in Europa sicherten. Natürlich geht es in der Operette nicht so politisch brisant zu. Sie zeigt aber wie sich einige Änderungen in der Farbschattierung Wunder wirken können. Dass die Farben Rouge et Noir nicht nur beim Make-up sondern auch in der Küche dominieren, zeigt folgendes Rezept.
http://www.youtube.com/watch?v=O0i_VmIcn4c
Man nehme
Olivenöl
1 Schalotte
1 Knoblauchzehe
1 geraspelte Karotte
400 Gr. Steinplize
2 El. Sambal Oleck
Passierte Tomaten
Roter und schwarzer Pfeffer
Paprika
Ein Schuss Rotwein
Ein Schuss Sahne
250 Gramm Pasta (nach Belieben)
In einer Pfanne Olivenöl Schalotten und Knoblauch scharf anbraten, bis die Zwiebeln glasig sind, danach die geschnittenen Pilze dazugeben, mit Rotwein ablöschen und die Temperatur reduzieren. Auf mittlerer Hitze das ganze schmoren lassen, bis Pilze gar sind.
Die Pasta in kochendem Salzwasser garen.
Dann die köchelnden mit Pilze Sambal Olek, den pürierten Tomaten und der geraspelten Karotte vermengen, und noch mal ein bisschen ziehen lassen.
Am Schluss mit den Gewürzen abschmecken und nach belieben mit Sahne verfeinern.
Hauptgang
Königliches Gemüse, gefüllte Champignonkronen an Pommes Dauphine
Karl Millöckers Operette „Gräfin Dubarry“ wäre wohl dem Vergessen anheim gefallen, wäre sie nicht in den 1930er Jahren von Theo Mackeben für die Operettendiva Gitta Alpar entdeckt und bearbeitet worden. Leider hat die historische Madame Dubarry (die wohl skandalumwittertste Maitresse von Louis XV.) der Nachwelt wenig hinterlassen; wenn man mal von einem äußerst kalorienreichen Rezept zur Zubereitung von Blumenkohl absieht. Deshalb gibt es als Hautgericht wahrhaft königliche Gemüsevariationen.
http://www.youtube.com/watch?v=nHfj_K5z_zE
Blanchierte Prinzessbohnen
Man nehme:
500 Gramm grüne Bohnen
1 Schalotte
1 Knoblauchzehe
6 Esslöffel Gemüsebrühe
Olivenöl
Eiswasser zum Abschrecken
Die Stängel der Bohnen entfernen, die Bohnen waschen und ins sprudelnd kochende Salzwasser geben. Da der Kochvorgang trotzdem sofort unterbrochen wird, die Platte auf höchster Stufe lassen. Wenn das Wasser wieder kocht, nach 4-6 Minuten, je nach Dicke der Bohnen, diese abseihen und sofort in eine größere Schüssel mit Eiswasser geben, damit der Kochvorgang unterbrochen wird und die grüne Farbe bestehen bleibt. Nach wenigen Minuten die Bohnen aus dem Wasser nehmen und bis zur Weiterverwendung auf einem Tuch abtrocknen und kühl lagern.
Zum Fertiggaren Schalotten und Knoblauch im Öl in ca. 5 Minuten glasig anbraten, die Bohnen dazu geben, mehrfach wenden und die Gemüsebrühe angießen. Alles 2-4 Minuten sanft einkochen lassen, bis die Bohnen gar aber noch bissfest sind.
Blumenkohl à la Madame Dubarry
Man nehme
1 Blumenkohl
100 Gramm geriebenen Emmentaler
60 Gramm geriebenen Parmesan
4 Eier
2 Esslöffel Senf
Etwas Mehl
Semmelbrösel
Den Blumenkohl putzen, in Röschen teilen und waschen. In reichlich Salzwasser bissfest garen (ca. 10 Minuten), in ein Sieb abgießen, kalt abschrecken und auf Küchenpapier abtropfen lassen. Emmentaler und Parmesan fein reiben, anschließend mit Eiern und Senf verquirlen. Mit Salz, Pfeffer Muskatnuss und Zitronensaft würzen. Die Blumenkohlröschen in Mehl wenden, dann durch die Eier-Käse-Soße durchziehen und schließlich mit Semmelbrösel panieren. Dann in heißem Fett ausbacken.
Pommes Dauphine
Man nehme
100 ml Wasser
15 Gramm Butter
50 Gramm Mehl
1 Ei
500 Gramm Kartoffeln
Wasser, Butter und Salz zum Kochen bringen. Topf von der Kochstelle nehmen. Gesiebtes Mehl zugeben, und mit dem Holzlöffel zu einem Kloß rühren. Diesen auf dem Ofen abbrennen, bis sich am Topfboden ein weißer Belag bildet.
Mehlkloß in ein anderes Gefäß geben. Eier sofort, eins nach dem anderen, glatt unterrühren. Gekochte, gesiebte Kartoffeln unterrühren.
Mit Teelöffel abstechen, im heißem Fett bei 180°C in der Friteuse ausbacken.
Champignonkronen
Man nehme
4 – 6 Große Champignons
1 Zwiebel
Knoblauch
Blattspinat (aus der Tiefkühltruhe)
Ein Schuss Weißwein
Sahne
Geriebenen Emmentaler
Gewürze nach Belieben
Die Champignons säubern und die Strünke heraustrennen. Die Köpfe in eine leicht gefettet Auflaufform geben.
In einer Pfanne Zwiebeln, Knoblauch und die klein geschnittenen Champignonstrünke andünsten, mit Weiswein ablöschen und den (aufgetauten) Spinat dazugeben. Mit Gewürzen nach Belieben abschmecken und etwas Sahne dazugeben.
Mit dieser Mischung die Champignonköpfe füllen, mit dem geriebenem Käse bestreuen und diese dann im Ofen bei 180° Grad ca. 20 Minuten backen.
Dessert
Birne Helene
Die Namensgeberin ist in diesem Fall keine geheimnisvolle Unbekannte, sondern die Titelheldin von Jacques Offenbachs Operette „Die schöne Helene“. Dieses Dessert soll für die Premiere im Dezember 1864 in Paris kreiert von dem berühmten Küchenchef Auguste Escoffier worden sein. Manche munkeln, eigentlich seien die Birnen mit Schokosauce eine Hommage an Hortense Schneider gewesen, die in Offenbachs Stück die weibliche Hauptrolle sang und diverse prominente Verehrer hatte. Und natürlich ist im Leben und auf der Operettenbühne das Dessert die exotisch-erotische Krönung eines jeden Menüs.
http://www.youtube.com/watch?v=_nS2yzSlEk0
Man nehme
4 reife Birnen
Saft einer Zitrone
200 Gramm Zucker
1 Vanilleschote
150 Gramm dunkle Kuvertüre
Vanilleeis (aus der Tiefkühltruhe)
Geschlagene Sahne
Birnen schälen, halbieren, entkernen.
Zitronensaft, Zucker, aufgeschnittene Vanilleschote und Zimtstange in eine große Pfanne geben. 0,5 Liter Wasser angießen und zum Kochen bringen. Birnen mit der Schnittfläche nach unten in die Pfanne und 12-15 Minuten dünsten, dabei ab und zu mit der Kochflüssigkeit beträufeln. Birnen aus dem Sud nehmen und abkühlen lassen.
Kuvertüre im Wasserbad schmelzen.
Vanilleeis auf Desserttellern verteilen, mit je 2 Birnenhälften anrichten, die heiße Kuvertüre darüber gießen und mit etwas geschlagener Sahne servieren.
Und natürlich reicht man zum ganzen Menü: CHAMPAGNER!
Mit Riesenschritten ging es in den letzten Tagen auf Weihnachten zu. Auf den Straßen und Plätzen wurde es hektischer, die Konsumtempel quollen über und der öffentliche Personennahverkehr platzte aus allen Nähten.
Anstatt mich in dieser Zeit des allgemeinen Trubels zurückzuziehen, Urlaub zu machen oder seltene Operettenpartituren zu studieren, widmete ich mich in den letzten Tagen der Kirchenmusik. Ja, Sie haben richtig gelesen: KIRCHENMUSIK.
Sicher ein Genre, das keiner mit mir in Verbindung bringen würde. Aber es tut zuweilen wohl das Brettel mit dem Podium, Heuberger mit Haydn und das sündige Chambre Separee mit den – sagen wir mal – zweckmäßig ausgestatteten Räumlichkeiten eines Gemeindezentrums zu vertauschen.
Ein befreundeter Kirchenmusiker hatte mich (unter anderem) gebeten am 2. Weihnachtstag Haydns Nicolai-Messe zu singen und dabei auch solistisch eingesetzt. Und dann hieß es proben bis zum Umfallen: Soloproben, Ensembleproben und Chorpoben. Letztere waren ein kleines Highlight. „Das laute Singen falscher Töne ist tunlichst zu vermeiden“, sagte besagter Kirchenmusiker entnervt im Laufe einer Probe und guckte dabei verdächtig scharf in meine Richtung. Natürlich war ich mir keiner Schuld bewusst. Ich dachte nur angesichts der vielen „Glorias“ und „Hallelujas“: „Was für ein Glück, dass das nicht Glor- oder Hallelu-nein heißt, das wäre dann ja noch schwerer zu singen…
Auf jeden Fall freue mich, musikalisches Neuland zu betreten. In diesem Sinne „Adoramus te“ mit Schmackes und fröhliche Weinachten.